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Reise in die Geschichte der Grunddörfer

Mit knapp 60 Teilnehmern sehr gut besucht war am Mittwoch ein Vortrag im Oberndorfer Wanderheim. Dr. Gerrit Himmelsbach referierte auf Einladung der Heimat- und Wanderfreunde zur Heimatgeschichte.

Veröffentlicht am 13. März 2024
Von Ernst Dürr
Fotos: Ernst Dürr

Gerrit Himmelsbach, Leiter des Archäologischen Spessart-Projekts, beleuchtete in einer "bebilderten Reise" Aspekte aus der Geschichte des Spessarts und speziell der Grunddörfer Bischbrunn, Oberndorf, Esselbach, Kredenbach und Steinmark.

Stolz sollten alle aus der Region darauf sein, dass der Begriff "Spessart" erstmals im Jahr 839 bei einem Gebietstausch im Südostspessart genannt wurde, meinte Himmelsbach. Vermutlich war damals aber im Bereich der Grunddörfer nur Wald.

Die fünf Dörfer bildeten dann ab dem Hochmittelalter eine gemeinsame Rodungsinsel. In jedem Ort gibt es die typische Streifenflur, in der die Ursiedler eine Waldhufe vom Bach bis zum Wald erhielten, die sogenannten Güter.

Der Begriff des Guts ist in den Grunddörfern heute noch präsent, häufig als Flurname, aber auch als Straßenname (zum Beispiel Waldgut in Bischbrunn, Bengelsgut oder Hofgutstraße in Esselbach). Erschlossen wurde "der Grund" ursprünglich von Michelrieth kommend von Südosten her, so dass "Bischofsborn"/ Bischbrunn am spätesten besiedelt angelegt. Genaue Zeiträume für die Gründungen können nur vermutet werden, da hierzu keine Urkunden vorliegen.

Zersplitterung der Flur durch Fränkische Erbteilung

Das damals einer Familie zugeteilte Land war für diese zunächst auskömmlich. Dies änderte sich in den katholischen Orten durch die fränkische Erbteilung, bei der alle Kinder gleichberechtigt bedacht wurden, was schnell zu einer Zersplitterung der Flur führte. Der Besitz wurde immer kleiner und die Streifen in der Flur immer schmaler, sodass sie am Ende kaum noch sinnvoll bewirtschaftet werden konnten. Dies änderte sich dann erst mit der Flurbereinigung, die Felder und Wiesen wieder zusammenlegte.

Im 14. Jahrhundert kam der Großteil des Spessarts zum Kurfürstentum Mainz, darunter auch Bischbrunn. Esselbach und sein "oberes Dorf" Oberndorf gehörten zum Hochstift Würzburg, Kredenbach und Steinmark zur Grafschaft Wertheim. Da diese Obrigkeiten damals selbstständige Staaten waren, gab es Grenzen und Abgrenzungen. Viele heutige Unterschiede ließen sich daraus erklären, so der Referent. Himmelbach ermunterte die Anwesenden ausdrücklich dazu, den heimischen Dialekt zu sprechen, so wie das auch die Altbayern ganz selbstverständlich tun würden.

Straßenanbindung an das Rhein-Maingebiet

Wichtig seien von jeher die Straßen im Spessart gewesen, besonders als Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet. Ursprünglich verlief der Teil einer Ost-West-Verbindung auf den Höhen südlich der Grunddörfer von Michelrieth über den Baumgartshof bis zum Torhaus Aurora. Mit der Gründung der Grunddörfer wurde diese Straße dann verlegt und führte durch die Dörfer. Sie wird 1338 die "Esselbacher Straße" genannt, später bekannt als Poststraße.

Die Esselbacher Poststation brachte wirtschaftliche Entwicklung in den Ort. Bedingt durch den Brückenbau 1845 in Marktheidenfeld wurde die Straße ab Kredenbach erneut verlegt und führte nun nicht mehr zur Furt in Lengfurt, sondern zur Brücke nach Heidenfeld. Der Bau der Autobahn brachte in den 1960ern dann wieder einen neuen Verlauf der wichtigsten Straße, nun wieder außerhalb der Dörfer.

Im 19. und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein erlebte der Spessart eine Periode der Armut. Nachdem der Arzt Rudolf Virchow im Jahr 1852 den Spessart bereist hatte und über die Verhältnisse sein berühmtes Werk über "Die Noth im Spessart" herausgab, trug unsere Region quasi dauerhaft das Image des Armenhauses. Der nach dem mainfränkischen NS-Gauleiter benannte Hellmuth-Plan sollte dem Notstand abhelfen und brachte auch im Spessart Waldrodungen, so das Neuland in Bischbrunn mit 48 Hektar.

Von Zwangsabsiedlungen, wie sie geplant waren, blieben Rhön und Spessart durch den Krieg aber verschont. Prägend für unsere Region war auch die Zeit des Prinzregenten Luitpold, der das Jagdschloss in Rohrbrunn errichten ließ und jährlich zur Saujagd in den Spessart kam.